Würzburg-Dragons erreichen altersversetzten Spielbetrieb

In der neuen Saison spielen die Würzburg-Dragons mit ihren U12- und U14-Juniorinnen altersversetzt gegen Jungenmannschaften. Bereits seit 2014 hatte der Sportclub regelmäßige Anträge beim Bayerischen Fußballverband gestellt. Durch den Beschluss beim diesjährigen Verbandstag haben die Dragons zumindest ein wichtiges Teilziel erreicht.

Die Dramaturgie könnte auch aus einer Netflix-Serie stammen. Hier der übermächtige BFV, der den altersversetzen Spielbetrieb für Juniorinnen partout nicht will, dort der Würzburger Verein, der für eine optimale Förderung im Mädchenfußball kämpft und hierfür mit Sportsperren bestraft wird – und am Ende das große Staffel-Finale, bei dem vor allem der bayerische Juniorinnen-Fußball gewinnt. Aber alles der Reihe nach.

Im Herbst 2014 hatten die Dragons beim BFV beantragt, mit ihren Juniorinnenteams ab der U7 altersversetzt gegen Jungen spielen zu können. Die Mädchen sollten also jeweils um ein Jahr älter als die Jungen sein dürfen. Und hierfür wurden drei einleuchtende Begründungen gegeben. Zum einen können in reinen Mädchenteams mehr Spielerinnen für den Fußball begeistert werden. Zum anderen sind die Wege zu den Spieltagen kürzer, wenn das nächste Jungenteam fünf Kilometer entfernt ist, während das bei den Mädchen auch schon in der untersten Liga gut und gerne einhundert Kilometer sein können. Schließlich, und dies war das wichtigste Argument, unterscheiden sich beide Geschlechter in ihrer körperlichen Entwicklung, so dass die Juniorinnen-Teams Nachteile in der Talententwicklung haben.

Staffel 1 - Von uralten Ostblock-Daten und Gerichtsverfahren

Stimmt nicht, behauptete daraufhin der BFV. Mädchen und Jungen seien bis zum Alter von ca. 12 bis 13 Jahren körperlich gleichauf. Dabei berief sich der Verband auf eine vermeintliche Studie, die sich nach Recherchen des Nachwuchsförderzentrums an der Universität Würzburg als uralte Daten der 1960er und 1970er Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion und DDR entpuppten. Auf Basis aktueller Forschung kam das Team des NFZ zu dem Ergebnis, dass Jungen den Mädchen bereits ab dem Alter von acht Jahren in fußballrelevanten Bereichen überlegen sind. Mit beiden wissenschaftlichen Studien konfrontiert, blieb der BFV dennoch bei seinem strikten Nein.

Und der Verband ging einen Schritt weiter. Er verhängte im Jahr 2016 eine sechsmonatige Sperre gegen Gudrun und Heinz Reinders, weil diese – von der Richtigkeit der Altersunterschiede überzeugt – U12-Juniorinnen in Spielen gegen U11-Jungen einsetzten. Freilich erst nach vorheriger Zustimmung der gegnerischen Trainer. Die sahen darin kein Problem, wohl aber das zuständige Sportgericht des BFV. Doch die Würzburg-Dragons gaben nicht auf und beantragten immer wieder aufs Neue das altersversetzte Spielrecht.

Weitere zwei Jahre später dürfen nun die U12-Dragons regulär und mit offizieller Zustimmung altersversetzt gegen U11-Jungen spielen. Zunächst nur für eine einjährige Pilotphase, so wie dies in der vergangenen Saison für die U10-Dragons gegen U9-Jungen erprobt wurde. Aber immerhin hat das von den Würzburgerinnen seit Jahren erfolgreich praktizierte Modell reiner Mädchen- gegen Jungenteams nun den vorläufigen Segen des Verbandsjugendausschusses.

Staffel 2 - Vom ersten Umdenken und kleinen Erfolgen

„Wir freuen uns sehr, dass der Wechsel an der Spitze des VJA den Mädchen diese Möglichkeiten bietet. Dieses Umdenken ist wirklich klasse und wir würden bis hierher sagen, dass der Verbandstag eine kluge Wahl zur Stärkung des Nachwuchsfußballs vorgenommen hat“, freut sich der Vorstand Heinz Reinders über die neuesten Entwicklungen beim BFV.

Denn noch an einem anderen Punkt hat sich die Hartnäckigkeit der Würzburg-Dragons ausgezahlt. Der Verbandstag hat die Möglichkeit für alle bayerischen Vereine eingeführt, U14-Juniorinnen im Spielbetrieb der Jungen antreten zu lassen. Ein formloser Antrag beim Verbandsjugendausschuss genügt. Damit setzt nach langem Kampf zwischen Würzburg und München der BFV als einer der letzten Landesverbände des DFB zumindest teilweise die langjährige Forderung der Dragons um. „Hier bedanken wir uns vor allem für den Einsatz des Frauen- und Mädchenausschusses. Das Engagement hilft als erster Schritt allen Vereinen in Bayern“, so Reinders.

Staffel 3 - Was noch an Arbeit bleibt

Doch es bleibt noch viel zu tun. Obwohl die Ergebnisse aus dem Pilotprojekt der U10-Juniorinnen eindeutig sind und für einen altersversetzen Spielbetrieb bereits ab der F-Jugend sprechen, wurde dieser Teil zunächst ausgesetzt. Und mit dem Feldversuch der U12-Juniorinnen gegen U11-Jungen ist dessen dauerhafte Einführung auch noch nicht gesichert. Hier hoffen die Dragons, dass diese Pilotierung am Ende allen bayerischen Vereinen zugute kommen wird.

Aber wie das so ist mit Netflix-Serien, es gibt immer noch eine neue Staffel mit neuen Folgen. Der Vereinsvorstand hofft, dass das nicht endlos so weitergeht: „Wenn es nach uns geht, erreichen wir am Ende der dritten Staffel die bestmögliche Förderung im Juniorinnen-Fußball, niemand erhält mehr Sportsperren und wir können die Serie endlich einstellen“. Da muss dann freilich auch der mächtige Widersacher aus München mitspielen.