Pilotprojekt ein voller Erfolg

Die Würzburg-Dragons bemühen sich seit 2014 beim Bayerischen Fußball-Verband um die Möglichkeit, ihre Mädchenteams jahrgangsversetzt gegen Jungen antreten zu lassen. Der Verein weiß dabei den DFB auf seiner Seite. Nun liegen erste Ergebnisse des Pilotprojekts vor.

Im Grunde ist die Idee ganz einfach. So einfach, dass selbst der DFB sie in seiner Jugendordnung aufgegriffen hat. Wenn in der Region nicht genug Mädchenteams eines Jahrgangs existieren oder wenn ein Verein seine Spielerinnen gegen Jungen besonders intensiv fördern will, dann kann so ein Verein dies nach Rücksprache mit dem zuständigen Landesjugendausschuss im Spielbetrieb der Jungen machen. Die Jugendordnung sieht dabei explizit die Möglichkeit vor, dies jahrgangsversetzt zu beantragen, um die körperlichen Entwicklungsunterschiede von Mädchen und Jungen auszugleichen.

Bundesweit große Zustimmung zum Modell

Sechzehn der 21 Landesverbände des DFB erlauben eine solche jahrgangsversetzte Regelung gemäß DFB-Jugendordnung. Bayern gehört nicht dazu und so musste der in Würzburg ansässige SC Heuchelhof einen Antrag beim Jugendausschuss des Bayerischen Fußballverbandes stellen. Dieser Antrag wurde mehrfach abgelehnt und erst als sich die vom BFV als Beleg herangezogenen Entwicklungsdaten von Mädchen und Jungen als historisch aus der UdSSR und der DDR stammend erwiesen, konnte letztlich zumindest ein Pilotprojekt bewilligt werden.

In der Saison 2017/18 dürfen die U10-Juniorinnen des SC Heuchelhof im Ligabtrieb der U9-Junioren mitkicken. Das Ziel ist dabei, den Mädchen regelmäßige Spiele und damit eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Denn U10- oder gar U9-Mädchenteams existieren in Bayern nur sehr wenige und in Unterfranken überhaupt nicht. Nun liegen die ersten Ergebnisse des jahrgangsversetzten Spielbetriebs in einem Zwischenbericht vor - und die zeigen Erstaunliches.

Erstaunliche Ergebnisse zeigen keine Nachteile für Junioren

So waren die U10-Juniorinnen des Vereins zwar im Durchschnitt 13 Monate älter als die Spieler der Jungenmannschaften. Allerdings erzielten sie dennoch im Durchschnitt fünf Tore weniger pro Spiel als die Jungen und hatten mit ca. 31 Prozent auch deutlich weniger Ballbesitz. Daraus leitet der Zwischenbericht das Fazit ab, dass eine Benachteiligung der Jungenteams durch das Spielen gegen U10-Juniorinnen nicht zu erkennen ist. Dem gegenüber stehe aber der Vorteil, dass die Mädchen mehr Spielpraxis und gegen Jungen wichtige Zweikampfpraxis sammeln.

Diese Ergebnisse des Pilotprojekts werden auch für viele andere bayerische Vereine von Interesse sein, die ihren weiblichen Nachwuchs durch mehr Spielpraxis fördern möchten. Eine Entscheidung für die Verlängerung und Ausweitung des Pilotprojekts auf andere Vereine durch den Verbands-Jugendausschuss des BFV steht noch aus. 

Download des Zwischenberichts an den BFV