Dragons starten Pilotprojekt für den BFV

Ab der Saison starten die Dragons ein Pilotprojekt für den BFV, bei dem U10-Mädchen am Spielbetrieb der U9-Jungen teilnehmen. Nach dreijähriger Antragsphase ermöglicht der BFV dadurch den jahrgangsversetzen Einsatz von Juniorinnen neue Möglichkeiten für den gesamten Mädchenfußball in Bayern. Dies wird für die Förderung des Mädchenfußballs dringend notwendig, um zukünftig auch jüngere Spielerinnen für Fußball zu begeistern.

Als die Heuchelhof-Dragons im Jahr 2014 erstmals beim Verbandsjugendausschuss des Bayerischen Fußball-Verbands anklopften, war die rechtliche Lage klar. In Bayern durften - im Gegensatz zu den meisten anderen Landesverbänden des DFB - Mädchen trotz körperlicher Unterschiede nicht jahrgangsälter gegen Jungen spielen. Die Begründung war seinerzeit unter anderem, dass Jungen und Mädchen sich in ihrer körperlichen Entwicklung bis zur U13 nicht unterscheiden würden. Daher sei es angemessen, Mädchen gleichaltrig bei Jungen einzusetzen.

Eine Übersicht zu rechtlichen Regelungen des Nachwuchsförderzentrums für Juniorinnen hat erst kürzlich gezeigt, dass 16 der 21 Landesverbände den Empfehlungen des DFB folgten. Gemäß Jugendordung des DFB ist es seinen Landesverbänden möglich, Mädchen jahrgangsälter in Jungenmannschaften oder jahrgangsältere Mädchen- gegen Jungenteams antreten zu lassen. Der BFV aber berief sich bei seinem Verbot auf Ergebnisse sportwissenschaftlicher Studien, die angeblich zeigen würden, dass die körperliche Entwicklung von Mädchen und Jungen gleich sei.

Damit war der BFV nicht alleine. Auch in der TrainerInnen-Zeitschrift "Fußballtraining Junior" des DFB wurde noch vor kurzem behauptet, dass die sportliche Entwicklung beider Geschlechter im Grunde identisch sei. Tatsächlich erwiesen sich aber die hierfür als Beleg herangezogenen Daten als Beweis für das genaue Gegenteil. Die in einem Vorlesungsskript zusammengefassten Diagramme wurden zum einen nicht korrekt interpretiert. Zum anderen handelte es sich bei den Daten, auf die sich der BFV berief, um Sportstudien aus der ehemaligen DDR und UdSSR der 1950er bis 1970er Jahre.

Die Widerlegung dieser und die Zusammenstellung aktueller Studien zur körperlichen Entwicklung haben den BFV offenbar letztlich überzeugt, einem Pilotprojekt der Heuchelhof-Dragons zuzustimmen. Dieses Pilotprojekt sieht für die Saison 2017/18 vor, dass die Dragons als U10-Mädchenteam in der Staffel der U9-Jungen antreten. Über die Saison hinweg werden dann die Erfahrungen zusammengetragen und gemeinsam mit den Verantwortlichen des BFV über weitere Schritte zur Förderung des Mädchenfußballs beraten.

Bereits in den vergangenen Jahren haben die Dragons sehr gute Erfahrungen mit Mädchenteams gemacht, da das gemeinsame Training und Spiel mit anderen Spielerinnen motivierend auch für solche Mädchen ist, die ungern in einem Jungenteam trainieren oder dort von Trainern seltener als Jungen bei Spielen eingesetzt werden. Auch leistungsmäßig entwickeln sich die Spielerinnen im Wettkampf gegen Jungen so gut, dass sie ab der U11 anderen Juniorinnen-Teams deutlich überlegen sind. Die mit dem Pilotprojekt für den BFV verbundene Hoffnung ist, zukünftig allen Mädchenteams diese Möglichkeiten zu eröffnen und damit den Mädchenfußball in Bayern voran zu bringen.