Der Siggi ist immer schon da

Jeder kennt sie, die Geschichte vom Hasen und Igel und davon, dass der Igel immer schon vor dem Hasen am Ziel ist. So ähnlich verhält es sich auch mit Sigfried Thomas, Freizeit-Journalist des Regionalportals nuus.de, den alle nur Siggi nennen.

Egal auf welchen Fußballplatz man auch kommt, der Siggi ist schon da, denn Siggis Heimat sind die Arenen und Bolzplätze in Unterfranken. Eines seiner Lieblingsmetiers ist dabei der Mädchen- und Frauenfußball. Egal ob die U13-Juniorinnen auf dem Kleinfeld oder die Regionalliga der Frauen, Siggi schreibt über jedes Spiel und Turnier sehr lange und ebenso informative Berichte. Auf Facebook ist Siggi längst eine Legende.

Über 70 Lenze zählt Siggi bereits, sein klappriges Auto sieht mindestens doppelt so alt aus und ist ein Wunder deutscher Ingenieurskunst. Nach normalen physikalischen Gesetzen dürfte dieses Auto eigentlich gar nicht mehr existieren, geschweige denn jemanden wie Siggi von Adelsberg zur Zellerau, von Aschaffenburg bis Zell am Main bringen. Da ist der Siggi deutlich fitter und irgendwie auch ein Wunder für den regionalen Fußball.

Immer rechts neben dem Tor

Der Siggi sitzt am liebsten rechts neben dem Tor. Weit genug weg vom Pfosten, um nicht selbst als ehemals gelernter Torwart zwischen die Pfosten zu springen. Aber auch nah genug dran, um das Leder ins Netz zischen zu hören. Ob er nicht Angst hat, mal von einem ordentlichen Kracher von seinem Stuhl geschossen zu werden? Mitnichten, entgegnet der Siggi dann, das hat in den vergangenen Jahrzehnten noch niemand fertig gebracht. Einmal, so erzählt der Siggi stolz, hat er es noch geschafft, die Kamera beiseite zu nehmen, bevor der den Ball gefangen hat. Bei diesem Strahlen in seinem Blick kann man sich Siggi sehr gut vorstellen, wie er als unüberwindbarer Hüne früher das Gebälk bewacht hat.

Wenn es aber zwei Dinge gibt, die unseren Siggi aus der sonst so ruhigen und gutmütigen Fassung bringen, dann sind es fehlende Spielberichtsbögen einerseits und fehlende Sitzgelegenheiten am Spielfeldrand andererseits. Für seine Berichte braucht Siggi natürlich die Aufstellungen und damit auch die Namen der Torschützinnen. Gibt es die nicht direkt vor Ort oder kommt das nicht zackzack per Mail nachgeliefert, tönt sein inneres Grollen weit über die unterfränkische Prairie hinaus. Von dieser journalistischen Akribie lässt sich Siegfried Thomas nicht abbringen – völlig zu recht.

Das zweite Siggi-Unding ist eine fehlende Sitzgelegenheit. Wir sehen ja den Siggi immer schon von Weitem kommen und eilen mit dem weißen Gartenstuhl heran. Für jemanden, der seine Zeit für den Fußball so opfert, ist das aber auch eine Selbstverständlichkeit. Auf den Plätzen der Region gibt es Stehplätze, manchmal sogar VIP-Plätze, aber immer muss es einen Siggi-Platz geben. Rechts neben dem Tor, nah am Pfosten.

Überhaupt die Spielberichte

Und wer einmal nicht auf das Spiel, sondern auf Siggi achtet, sieht ihn im Wechsel Fotos und Notizen machen. Fotos von den Toren und spektakulären Szenen, die er sich dann mit Rückennummer und Spielminute notiert. Wofür dann ja später der Spielbericht benötigt wird, um die Namen der Spielerinnen in seinen Bericht einbauen zu können.

Überhaupt die Spielberichte. Sie lassen keine Wünsche offen und schildern den Spielverlauf aus kundiger Perspektive und mit zuweilen überraschenden Erkenntnissen. Eine der Lieblingsformulierungen von Siggi ist dabei: „… Zeigerumdrehungen später…“, womit die Anzahl der Spielminuten zwischen zwei Aktionen genauestens angegeben werden. Falls Siggi mal keinen eigenen Spielbericht liefern kann, so übernimmt er unter Angabe der Quelle auch die Berichte aus den Vereinen selbst. Es gehört leider zu den unerträglichen Dingen des Spielplans, dass viele Spiele zeitgleich stattfinden. Auch darüber schimpft Siggi zuweilen. Er könne sich ja nicht zerreißen und überall gleichzeitig sein.

Den Siggi haben alle gerne auf dem Platz

Das ist auf der einen Seite logisch, auf der anderen Seite aber auch schade. Denn den Siggi haben die Vereine und Teams gerne auf dem Platz. Er kennt sie alle und alle kennen sie Siggi. Die Vorstände begrüßen ihn, die TrainerInnen diktieren ihm ihre Stellungnahmen in die Feder und die Platzwarte eilen los, ihm seine Sitzgelegenheit zu holen.

Siegfried Thomas ist die gute Seele des Fußballs in Unterfranken. Durch seine unermüdliche Berichterstattung verschafft er dem Mädchen- und Frauenfußball in der Region Aufmerksamkeit. Es ist oft voller Pathos von den stillen Helden die Rede, von jenen, deren Arbeit im Hintergrund man nicht sieht. Wenn der Begriff des stillen Helden auf jemanden zutrifft, dann auf Siegfried Thomas. Nur das mit dem Hintergrund und Nicht-Sehen, das stimmt bei der Größe und dem wohlig rollenden Lachen nicht. Den Siggi, den übersieht man nicht, zum Glück. Denn der Siggi ist immer schon da!

Danke Siggi, deine Vereine des Mädchen- und Frauenfußballs.

(Foto: Paul Zottmann)