Im Derby den Club verdreht

Beim Heimspiel gegen die Reserve des 1. FC Nürnberg liegen die Würzburgerinnen am Ende der ersten Halbzeit mit 0:2 zurück. Dann kommen sie wieder aus der Kabine - im strömenden Regen. Und verdrehen dem Club die Füße und den Kopf. Am Ende heisst es verdient 4:2 und den ersten wichtigen Dreier in der Landesliga.

Von der Tabellensituation war das Spiel vorab klar. Die Club-Mädels reisen mit zwei Siegen auf den Heuchelhof, das Heimteam konnte auch nach drei Spieltagen noch keinen Zähler aufweisen. Zwei ungleiche Absteiger standen sich bei bestem Fritz-Walter-Wetter gegenüber. "Die Situation ist für die Spielerinnen schwierig", so Vereinsvorstand Heinz Reinders. "Wir müssen drei Jahre nicht optimale Nachwuchsarbeit im U17-Leistungsfußball nachholen. Denn mit dem Konzept, Spielerinnen aus Jungsteams zusammenzuwürfeln ging es rapide von der Bundes- in die Landesliga bergab", so Reinders weiter.

Die Folge ist, dass die eigens bei den Dragons seit der U8 und U10 ausgebildeten Spielerinnen ein Jahr früher als geplant in die U17-Landesliga müssen. Fünf erfahrene Spielerinnen sind zwar geblieben, gleichzeitig aber auch 15 neue Spielerinnen in den Leistungskader aufgestiegen. "Darunter haben wir sechs Spielerinnen des Jahrgangs 2006, die sind 12 oder 13 und spielen gegen 15- bis 17-Jährige. Da sind Startschwierigkeiten vorprogrammiert und die körperlichen Unterschiede sind immens", erläutert Anna Fries, Trainerin der Würzburgerinnen, die Ausgangslage am Beginn der Saison.

Physische Überlegenheit führt zum frühen Rückstand

Die körperlichen Unterschiede waren auch von Beginn an gegen die Clubmädels zu sehen. Denn die Gäste aus Mittelfranken kamen mit nur einer Spielerin des Jahrgangs 2005 angereist, alle weiteren Spielerinnen waren ein bzw. zwei Jahre älter. Entsprechend schwer kamen die Gastgeberinnen in die Zweikämpfe, gerade im letzten Drittel konnten die Nürnbergerinnen ihre physische Überlegenheit im Zweikampf und in den Sprints ausspielen. Zwei Treffer als Folge einfacher Flügelverlagerungen mit anschließendem Zweikampf führten zur frühen 2:0-Führung, die bis dahin nicht unverdient war. Phasenweise blitzte Mitte der ersten Hälfte bereits das Kombinationsspiel der Würzburgerinnen auf, blieb aber zunächst durch überzogene Nervosität noch ineffektiv. 

Am Ende der ersten Hälfte begann dann aber der Sturmlauf auf das Tor der Nürnbergerinnen, die zusehends mit der Kondition zu kämpfen hatten. Viele lange Wege im triefend nassen Boden forderten ihren Tribut. Gleichzeitig wurden die Unterfränkinnen frecher und cleverer. Die sich eröffnenden Lücken wurden immer wieder für das ansehnliche Kombinationsspiel genutzt und in den letzten fünf Minuten vor der Pause bereits die ersten zwei Chancen erspielt. Antonia Schlothauer scheitert knapp im Eins-gegen-Eins an der Nürnberger Keeperin, kurz danach landet ein Distanzschuss von Luzie Krill neben dem Torpfosten.

Furioses Spiel nach der Halbzeitpause

Nach der Pause kommen die Würzburgerinnen mit dem gleichen Elan aus der Kabine und haben in einem der Umkleideschränke noch eine Portion Effizienz gefunden. Denn in den kommenden 40 Minuten wird alle zehn Minuten ein Tor fallen. Zunächst verwandelt Laura Gerst zum 1:2-Anschlusstreffer und Luzie Krill mit einem Tor des Jahres aus spitzem Winkel den 2:2-Ausgleich. Die Nürnbergerinnen wirkten angesichts schwindender Kräfte immer konzeptloser und kamen immer weniger in die Zweikämpfe. Der Ball rotierte durch die Würzburger Reihen und landet schließlich bei Laura Gerst, die mit ihrem Distanzschuss ins lange Eck die Führung markierte. Fünf Minuten vor Schluss mogelt sich Tamira Zackel durch die Nürnberger Innenverteidung, wird mit einem Pass in die Schnittstelle perfekt bedient und erzielt den 4:2-Endstand.

Zum ersten Mal in der Saison zeigen die noch sehr jungen Würzburgerinnen ihr Potenzial. Vor allem das Zusammenspiel der älteren mit den jüngeren Spielerinnen hat besser funktioniert, auch zeigte sich gerade im zweiten Durchgang das Mittelfeld gut sortiert und die Defensive als sehr stabile Einheit, ein großer Fortschritt im Vergleich zur Niederlage gegen Erlangen am vergangenen Donnerstag. "Das war auch psychologisch ein wichtiger Sieg", ist Reinders sich sicher, "denn nun wissen die Spielerinnen, zu was sie auf dem großen, ungewohnten Feld in der Lage sind."